Pressemitteilung Print E-mail
Written by Gary   
Friday, 09 March 2007

Kürzlich hielt die „Lokalen Tausch System – LTS Kordall asbl“ zwei aussergewöhnliche Generalversammlungen ab, erstens um ihren Namen zu ändern und zweitens um einige weitere Umänderungen ihrer Statuten vorzunehmen. Doch bevor es zu diesem Teil kam, wurden den den zahlreichen Interessierten einige Informationen über die immer zahlreicheren in Europa entstehenden Tauschringe oder Tauschsysteme vorgetragen (unter dem Namen SEL im französchsprachigen Raum bekannt und unter LETS im englischsprachigen Raum).

Wie kann man sich ihr zunehmendes Aufkommen erklären? Neben einigen Regierungen fördert auch die Europäische Gemeinschaft Pilotprojekte in diesem Bereich. Immer mehr Menschen werden durch fehlende Nachfrage vom Arbeitsmarkt ausgegrenzt und in die Abhängigkeit der Sozialhilfe und Sozialsysteme gedrängt. Zudem konzentriert sich heutzutage auf Grund des Zinseszinsmechanismus immer mehr Geldvermögen in den Händen von immer weniger Menschen. In diesem Zusammenhang verwies der Vortragende auf zwei aufschlussreiche unbedingt empehlenswerte Bücher die kürzlich erschienen, nämlich „das Geld-Syndrom“ von Helmut Creutz und das „Geld der Zukunft“ von Bernard Lietaer. Als Kehrseite wächst die Verschuldung von immer mehr Menschen in schwindelerregende Höhen. Die Verschuldung wiederum, wie auch das anlagesuchende Kapital, üben einen immensen Wachstumsdruck auf unsere Volkswirtschaft aus, der zur Produktion überflüssiger Produkte sowie zur Naturzerstörung beiträgt.

Die meisten Politiker verweisen zur Lösung dieser Probleme auf ein marktwirtschaftliches Konkurrenzmodell, welches die Probleme verschärft und zur Entsolidarisierung der Gesellschaft beiträgt. Letztlich ist eine Änderung unserer Geldverfassung unumgänglich, wenn wir nicht in eine alles verschärfende politische Krise geraten wollen. Diese Fragen werden jedoch heutzutage nur in Randzirkeln der Gesellschaft diskutiert. Die wachsende nationale und fremdenfeindliche Sichtweise allerorten scheint ein deutlicher Beleg für unproduktive und unsoziale "Lösungsversuche" der ansteigenden ökonomischen Probleme zu sein.

In dieser Situation entdecken immer mehr Menschen Tauschringe und Leihgemeinschaften als eine Möglichkeit, den wachsenden wirtschaftlichen und sozialen Problemen eine konkrete Handlungsalternative entgegenzusetzen. Ein Tauschring fördert den geregelten Tausch von Gütern und Dienstleistungen zwischen Menschen im Rahmen einer Verrechnungseinheit durch eine zentrale Tauschvermittlungsstelle. Er beseitigt die Abhängigkeit von Geldkapital und führt zu einem reflektierterem Umgang mit Geld.

Zinsen sind ganz aus dem Spiel, was sehr wichtig erscheint, denn wieviel Leute wissen, dass heute durchschnittlich 40 Prozent Zinsen in den Endverbraucherpreisen enthalten sind ? Das erklärt sich dadurch, dass die meisten an einem Produkt direkt oder indirekt beteiligten Firmen auf der Basis von geliehenem Kapital arbeiten. Sie können die fälligen Zinsen natürlich nur dadurch zurückbezahlen, dass sie diese in den Preisen verrechnen. Und die erwähnten 40 % entstehen durch die entstehende Akkumulation dieser Zinsenbeträge bis hin zu den Endpreisen. Profitieren, und dies ohne dafür zu arbeiten, tun diejenigen die so wohlhabend sind, dass sie sich leisten können ihr Geld gegen Zinsen und Zinseszinsen zu verleihen, und je ärmer man ist desto mehr trägt man zu dieser Umverteilung des Geldes bei. Bürger der Mittelschicht erhalten durch Zinsen auf ihren Guthaben oder andere Bankgeschäfte zumindest einen Teil, der in den Preisen enthaltenen Zinsen zurück, aber wirklich profitiren tut nur eine kleine Minderheit.


Was sind nun die möglichen Vorteile eines Tauschrings: Die regionale Ökonomie kann gefördert werden ,Energiekosten werden eingespart, Selbstbewußtsein wird gefördert, die Solidarität der Menschen wird gefördert, der Isolation und Vereinsamung wird vorgebeugt, die lokale Gemeinschaft und persönliche Kontakte werden gefördert, die exponentiell steigende Verschuldungsproblematik infolge des Zinssystems wird eliminiert, die Abhängigkeit vom Geld wird gemildert, Tauschringe fördern Kreativität, weil Gebrauchsgegenstände repariert und die Abfallmenge nicht erhöht wird, können Tauschringe auch ein Beitrag zum Umweltschutz leisten, Tauschringe sind Hilfe zur Selbsthilfe insbesondere bei Arbeitslosigkeit, Tauschringe befähigen sozial schwache Personen Leistungen in Anspruch zu nehmen für die sonst kein Geld da wäre.


Kritische Fragen an Tauschringe sind natürlich auch wichtig zu stellen, etwa: Lohnt sich der Aufwand für Tauschringe angesichts des bescheidenen Umsätze? Wird durch Tauschringe die Geldmengensteuerung gestört bzw. erschwert? Wird mit den Tauschringen eine Form der "Schattenwirtschaft " unterstützt, bei der dem Staat Steuereinnahmen u.U. für soziale Bereiche verloren gehen? Bedeuten Tauschringe einen Rückfall in eine primitivere vormonetäre Stufe der Ökonomie? Geht durch das Engagement mit lokalem Schwerpunkt, das Bewußtsein für wirtschaftlich größere Zusammenhänge sowie die Solidarität mit Menschen aus anderen Regionen verloren? Verdrängen Tauschringangebote Leistungen der offiziellen Wirtschaft und tragen somit zum Verlust von Arbeitsplätzen bei oder Erweitern sie selbige auf Grund von Nachfrageinduktion? Führen Tauschringe zu Umsatzverlagerungen in der formellen Ökonomie? Diese Bedenken spielen natürlich in dem kleinen Rahmen des Tauschkrees Lëtzebuerg keine Rolle.


Fragen wie das konkret funktioniert im Tauschkrees Lëtzebuerg wurden sogleich beantwortet: Die Talente, Fähigkeiten und Sachen die man hat, kann man sinnvoll einsetzen und sich selbst und anderen zum Nutzen bringen. Durch Tauschen hilft man sich gegenseitig. Als Mitglied im Tauschkrees kann man anhand der regelmässig erscheinenden Tausch-„Zeitung“ aus den Angeboten und Nachfragen aller Mitglieder frei auswählen. Zum Beispiel Marcel flickt das Rad von Nicole, die Anne Schreibarbeiten am Computer erledigt und dafür einige alte Schallplatten von Raymond erhält. Es findet also kein gegenseitiges Tauschen statt, sondern es wird immer im System getauscht. Mit der fiktiven Verechnungseinheit des „Kär“, wird ein Tausch auf einem Tauschschein festgehalten. Dieser wird an die Zentrale weitergeleitet, wo die Konten der Mitglieder verwaltet werden. Dass kein Mensch nichts zu bieten hat beweisen die zahlreichen Experimente im Ausland, so auch etwa in Metz, Trier oder Saarbrücken. Eigeninitiative, Selbsthilfe, Kommunikation und soziale Kontakte werden gefördert, vor allem bei den regelmässig stattfindenden „flohmarktähnlichen“ Tauschbörsen.


Nach diesen Einführungen kam es dann zum statuarischen Teil der Generalversammlung. Alle Statutenänderungen konnten einstimmig angenommen werden. Die wichtigsten Veränderungen betreffen den Namen und die Zielsetzung des Vereines ohne Gewinnzweck. Die Artikel 1 und 4 der Statuten lauten ab jetzt wie folgt: „L’association est dénomée : TAUSCHKREES LËTZEBUERG“ und « L'association a pour objet de promouvoir les valeurs d'amitié et de solidarité au travers d'échanges de savoirs , de savoir-faire, de produits ou de biens et ceci sans utiliser de l’argent, sans profits ni intérêts en jeu. En créant les conditions d'un réseau de communication et de rapports équilibrés elle entend favoriser une prise de conscience de la dimension humaine sous-jacente à tout échange. Ces échanges ont nécessairement un but non lucratif et sont effectués de gré à gré entre les adhérents de l'association selon les demandes et les offres de chacun. Les conditions de mise en œuvre et leur coordination font l'objet d'une charte et d'un règlement intérieur. » Neu ist auch, dass Vereinsvertreter Mitglied des Tauschkreeses werden dürfen.


Anschliessend wurden, um ein Gleichgewicht der Tauschhandlungen zu garantieren, die Minimal- und Maximalbeträge der „Kären“-Konten auf + 4000 und – 2000 festgelegt. Als Richtwert gilt: ein „Kär“ entspricht einer Minute. Die Mitgliedsbeiträge für 2003 bleiben unverändert.


Was die naheliegende Zukunft anbelangt wurden die fruchtbaren Kontakte mit einer ähnlichen Initiative, die dabei ist im Norden des Landes zu entstehen, hervorgehoben. Eine Webseite www.tauschrees.lu wird in Kürze eingerichtet. Zu guter Letzt wurde darauf hingewiesen, dass für den Samstag den 15. Juni die nächste Tauschbörse angesetzt ist. Sie findet von 15 bis 18 Uhr in der Kulturfabrik in Esch/Alzette statt. Jeder Interessent oder Neugierige, ob Mitglied oder noch nicht, ist herzlich eingeladen. Diejenigen die einen Stand haben möchten und ihre Sachen tauschen wollen oder nur weitere Informationen haben wollen, sollen sich melden unter der Telefonnummer 37 19 27 oder ein Mail an This e-mail address is being protected from spam bots, you need JavaScript enabled to view it senden.


Der Vorstand der „Tauschkrees asbl“ setzt sich wie folgt zusammen: Alfred Groff (Präsident), Pascale Fack (Vizepräsidentin und Sekretärin), Gary Diderich (Trésorier), Carine Hensgen (Verantwortlich für die Tausch-Zeitung). Kassenrevisoren sind Johny Diderich und Léo Frantz, dem als vormaligen Präsidenten, nochmals ausdrücklich gedankt wurde für die geduldige Aufbauarbeit die er mit seinen Mitstreitern seit einigen Jahren geleistet hat.

Last Updated ( Friday, 09 March 2007 )
 
[ Back ]
© 2010 Tauschkrees Lëtzebuerg asbl
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.